FREIHEIT IM NETZ
DIE VIRTUELLE MÖGLICHKEIT
 

Vordiplomarbeit Philosophie  
Carsten Möller  
Hochschule für Grafik und Buchkunst
Fachbereich Medienkunst
 

"This is the new democracy. And Microsoft Office is in the heart of it. It is a tool of massive social change. That's because it's empowering people to do all sorts of things they never dreamed were possible. This the ultimate democracy." 

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Will man dem Glauben schenken, was man sich erzählt im INTERNET, saßen irgendwann 1990 ein gewisser Robert Cailliau und ein Tim Berner-Lee in der Cafeteria des CERN (European Laboratory for Particle Physics, Genf) und einigten sich auf ein Hypertextverfahren, nach dessen Prinzip die populärste der bestehenden Netzanwendungen bis heute im wesentlichen funktioniert - das World-Wide Web.

Mit seinem Siegeszug schob das WWW eine Kommunikationsform ins Licht öffentlichen Bewußtseins, die alle bestehenden medialen Ansätze auf den Kopf stellt: Indem sie jeden mit jedem auf der Welt in Echtzeit kommunizieren läßt und gleichzeitig alle vorhandenen Informationen sofort zur weltweiten Verfügung stellt, durchbricht die "individualisierte Massenkommunikation" jede bisherige telekommunikative Beschränkung. Niemals zuvor wurden auf Grundlage einer technischen Innovation so weitreichende Veränderungen gesellschaftlichen und individuellen Lebens prognostiziert, wie dies in den letzten Jahren mit dem INTERNET der Fall war. Die allmähliche Bewußtwerdung des immanenten Potentials der Technik sorgt gleichermaßen für beispiellose Innovationseuphorie auf der einen, und Endzeitresümees auf der anderen Seite. Ist das Netz für seine Befürworter die technische Chance, naturgegebene Beschränkungen des Menschen zu überwinden, sehen die anderen mit den sich bietenden Möglichkeiten essentielle menschliche Werte schwinden.

Dabei fällt auf, daß beide Auffassungen in ihrem Verständnis der technischen Innovation Internet gleichermaßen von einem entstehenden "Freiraum" ausgehen. Unterschiede ergeben sich erst mit dessen Bewertung. Ist für die Einen das Netz ein zu besetzendes "Niemandsland", das erst durch die, mit ihm verfolgten Interessen seine "Wirklichkeit" erhält ("Im Netz entsteht ein sozialer Raum, der, so virtuell er auch ist, ... zur Kritik und Auseinandersetzung anregt."), fürchten die Anderen seine unabschätzbaren gesellschaftlichen Folgen ("Alles verändert sich, wenn sich die Tätigkeit des Menschen aus der räumlichen Bindung löst, wenn die Mobilität von Mensch und Wirtschaft das geographische Netz zerreißt. Die räumliche Solidarität der Territorialitätsgemeinschaft schwindet und wird durch befristete Interessengemeinschaften ersetzt.").

Das Anliegen dieser Arbeit ist es, dieses gemeinsame Fundament gegensätzlicher Betrachtungsweisen zu untersuchen. Ist das INTERNET tatsächlich als ein menschlicher Freiraum zu verstehen? Kann eine Technik als solche überhaupt zu einer neuen Form von Freiheit führen, und wenn ja, welcher Art ist diese Freiheit und wozu wird sie genutzt?